Kategorie: Cloud Computing
5. September 2011 //

Von der Lizenz- zur Servicewirtschaft (Teil 2)

Teil 2: Was ist Cloud Computing?

In Ergänzung des ersten Teils der Reihe Von der Lizenz- zur Servicewirtschaft möchte ich im zweiten Teil den Begriff Cloud Computing schärfen.

Bei der Definition von Cloud Computing beziehe ich mich auf die grundlegenden Arbeiten des BITKOMs (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. ):

"Cloud Computing ist eine Form der bedarfsgerechten und flexiblen Nutzung von IT-Leistungen. Diese werden in Echtzeit als Service über das Internet bereitgestellt und nach Nutzung abgerechnet. Damit ermöglicht Cloud Computing den Nutzern eine Umverteilung von Investitions- zu Betriebsaufwand. Die IT-Leistungen können sich auf:

  • Anwendungen,
  • Plattformen für Anwendungsentwicklungen und -betrieb und auf die
  • Basisinfrastruktur

beziehen."

Das Dreischichtenmodell
Die obige Definition geht von einem Dreischichtenmodell aus, auf das ich kurz eingehen will.

Die erste Schicht wird von der IT-Infrastruktur gebildet, man spricht hier von einer Infrastructure as a Service - IaaS. Darunter ist die Bereitstellung der physischen Rechner gemeint, ganz speziell das Rechenzentrum (Data Center) mit seinen tausenden Computern, die hoch effizient, sicher und energiesparend betrieben werden. In speziellen Artikeln auf diesem Blog, z. B. im Beitrag Cloud IT - Szenario bis 2015, finden Sie tiefgreifendere Informationen zu IaaS.

Die zweite Schicht im Modell Cloud Computing bildet der sogenannten Platform as a Service - PaaS. Mittels PaaS wird die Hardware gegenüber der Anwendung gekapselt. Diese Schicht stellt der eigentlichen Anwendung, die direkt auf ihr liegt, virtuelle Rechner mit Betriebssystem, Datenbank, Antivirensoftware, etc. zur Verfügung. Des Weiteren gehören dazu unterstützende Verfahren zur Nutzerverwaltung, Billing oder Datensicherung.

Es bleibt die dritte Schicht, welche Software as a Service - SaaS genannt wird. Sie wird für den Nutzer direkt sichtbar. Es ist die eigentliche Anwendung, die Software zur Lösung seines Problems.  Mehr dazu schreibe ich im dritten Teil der Reihe Von der Lizenz- zur Servicewirtschaft.

Dreischichtenmodell, Cloud Computing (Grafik: forcont)

Dreischichtenmodell, Cloud Computing (Grafik: forcont)

Abschließend möchte ich noch drei Begriffe erläutern, die gern mit der Ausdehnung des Begriffs Cloud Computing in Verbindung gebracht werden: Private Cloud, Public Cloud und Hybrid Cloud.

Die Private Cloud
Gern spricht man von Private Cloud, wenn eine 1:1-Beziehung gemeint ist, d. h. ein Unternehmen nutzt Cloud Computing für genau einen spezifischen Prozess. Teilnehmer an diesem Prozess sind nur die eigenen Mitarbeiter oder eingeladene Geschäftspartner. Die Software wird nicht von Dritten genutzt. Die Hardware und der gesamte Dienst liegen in einem  Rechenzentrum.

Dieses Verfahren erinnert stark an ASP und wird auch oft in intellektuellen Diskussionen kontrovers betrachtet. Die wesentlichen Vorteile liegen hier in der Flexibilität, die das bedarfsbedingte Anmieten und Kündigen von IT-Ressourcen bietet sowie die gesamte Administration der Anwendung durch Dritte.

Die Public Cloud
Der zweite Begriff heißt Public Cloud. Er suggeriert schon, worum es sich handelt, nämlich um einen Dienst im Internet, der für alle gleichermaßen erreichbar und nutzbar ist. Alle Nutzer verwenden die gleiche Software (den gleichen Programmcode). Der Techniker ist begeistert und der Laie erschüttert, wenn er hört, dass seine Daten und Dokumente in dem gleichen Speicher liegen, auf den von allen anderen Nutzern des Service zugegriffen wird. Hier scheint die Privatsphäre zu verschwinden und man wird public. So gesehen ist dieser Begriff unglücklich gewählt, meint er doch nur die gemeinsame voneinander unabhängige Nutzung durch interessierte Internetteilnehmer und keinesfalls die Transparenz des Einzelnen für den Rest der Welt.

Die Hybrid Cloud
Der dritte Begriff verbindet die ersten beiden und heißt Hybrid Cloud. Gewisse Applikation laufen im eigenen Rechenzentrum des jeweiligen Unternehmens und andere werden durch Dienste in der Public Cloud abgebildet. Jeder für sich allein wäre nicht vollständig, es ist ein Abgleich der Daten aus beiden Verfahren nötig. Denken Sie z. B. an ein Vertragsmanagementsystem in der Public Cloud, das seine Lieferantendaten aus dem ERP System im eigenen Rechenzentrum bezieht.

Cloudtypen (Grafik: forcont)

Cloudtypen (Grafik: forcont)

Im nächsten Teil beschäftigte ich mich intensiver mit der Fragestellung „Was verbirgt sich hinter dem Geschäftsmodell Software as a Sevice"  und würde mich freuen, Sie wieder als Leser begrüßen zu können.


3 Kommentare für "Von der Lizenz- zur Servicewirtschaft (Teil 2)":

[…] umfassende Definition können Sie in Teil 2 Was ist Cloud Computing? […]

[…] ins Gesamtgefüge eingliedert, hat Matthias Kunisch in seinem Beitrag „Was ist Cloud Computing“ […]

[…] alles kann ich von überall aus tun, wo ich Internet-Zugang habe, denn die eStrasse ist eine Cloud-Anwendung. Im neuen Sprachgebrauch eine private Cloud, da ich mich sinnvollerweise registrieren muss. […]

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