Kategorie: Best Practice, Cloud Computing, Tipps & Tricks
4. November 2013 //

Welches Speichermedium ist das Richtige?

Welches Speichermedium ist das Richtige? (© forcont)

Als "frisch" gebackene Master stehe ich vor einem Problem. Damit meine ich nicht die Jobsuche. Sondern: Was mache ich mit meiner Masterarbeit? Zeit und Nerven wurden für diesen Haufen Nullen und Einsen verbraucht. Da kann ich die Arbeit  nicht einfach in den Datenpapierkorb packen. Doch welches Speichermedium eignet sich am Besten für die Archivierung wichtiger Dokumente? 

Festplatte
Festplatten besitzen eine Lebensdauer von 5-10 Jahren. Interne Festplatten haben eine geringere Lebenserwartung als solche, die nur als Backup-Medium verwendet werden. Dies liegt an der beschränkten Anzahl an Start-Stop-Zyklen (Anschalten-Herunterfahren) die eine Festplatte durchlaufen kann.

Hilfreich bei neueren Festplatten ist die integrierte Überwachungsfunktion SMART (Self Monitoring Analysis and Reporting Techno- logy). Diese speichert die Gesundheitsdaten der Festplatte, wie Zuverlässigkeit, Leistung und das Alter. Mit kostenloser Software können Sie diese Daten auslesen und auswerten. Die Software gibt sogar an, wann mit einem Ausfall zu rechnen ist. Doch beachten Sie, dass dies nur Wahrscheinlichkeiten sind. Weitere Informationen dazu finden Sie auf www.Chip.de/SMART


Vorteile

  • Wenig Platzbedarf pro GByte
  • Überwachungsfunktion SMART zur Einschätzung der Lebensdauer
  • Bis zu 5 Jahre Garantie

Nachteile

  • Empfindlich gegen Stöße
  • Optimale Lagerung in Privathaushalten u.U. schwierig (20-30°C, 50% Luftfeuchte) dadurch bspw. Korrosionsgefahr an mechanischen Teilen
  • Starke magnetische Strahlungen können Daten unlesbar machen
  • Gespeicherte Daten können aus Versehen gelöscht oder überschrieben werden
  • Umkopieren der Daten alle 2-3 Jahre empfohlen

 

DVD
Die DVD gehört zu den optischen Medien, d. h. sie besitzt keine mechanischen Bauteile und wird mit Licht (Laser) beschrieben und ausgelesen.

In der Literatur wird dazu geraten, sich auf DVD-R und DVD+R zum Archivieren zu beschränken. Begründet wird dies durch die unzureichende Abstimmung der Brenner auf mehrmals beschreibbare DVDs und der Schutz vor dem Überschreiben wichtiger Daten. Bei der Wahl des Rohlings sollte auf eine korrosionsbeständige Goldschicht und besonders harte und kratzfeste Oberflächen geachtet werden.

Eine genaue Angabe der Lebenserwartung ist auf Grund fehlender Praxiserfahrung nicht möglich. Häufige Schreibvorgänge, die Qualität des Materials und des Brennvorganges, sowie die Lagerung (optimal bei 20°C, 50% Luftfeuchte, dunkel) sind Faktoren, die die Lebenszeit beeinflussen.

Beim Beschriften des Rohlings sollte auf Etiketten und ungeeignete Stifte verzichtet werden. Beides kann die Reflexionsfläche beschädigen, wodurch die DVD nicht mehr auslesbar werden kann.

Tipp: DVDs lassen sich mit entsprechender Software, z.B. Nero DiscSpeed,  auf Fehler überprüfen, um einen Datenverlust vorzubeugen.

Vorteile

  • Keine mechanischen Bauteile, dadurch kein rosten

Nachteile

  • Zerkratzt schnell
  • Optimale Lagerung in Privathaushalten schwierig
  • Lebensdauer meist nur wenige Jahre
  • Umkopieren der Daten spätestens nach 5 Jahren empfohlen

 

Flash-Speicher
Ein Flash-Speicher setzt sich aus vielen kleinen Speicherzellen zusammen, die in Blöcken gleicher Größe zusammengefasst sind. Ein Zellenblock kann je nach Technologie ein Bit (Single Level Cell) oder zwei Bits (Multi Level Cell) an Daten speichern. Eingesetzt werden sie bspw. in USB-Sticks, MP3-Player, Speicherkarten etc. Zunehmend werden sie auch als Hauptspeichermedium (SSD) verwendet oder ergänzen normale Festplatten.

Anders wie bei der Festplatte wird die Lebenserwartung des Flash-Speichers vorrangig von der Anzahl an Schreib-Lösch-Zyklen bestimmt.

Tipp: Flash-Speicher mit Single Level Cell-Technologie (mind. 100 Tsd. Zyklen) leben deutlich länger als Speicher mit Multi Level Cell-Technology (10 Tsd. Zyklen).

Vorteile

  • Geringe Empfindlichkeit gegen hohe Luftfeuchtigkeit, Temperaturschwankungen und mechanische Gewalt
  • 2-30 Jahre Garantie möglich
  • Kleine, handliche Varianten verfügbar

Nachteile

  • Kontaktprobleme am Stecker bei Sticks möglich
  • Gespeicherte Daten können aus Versehen gelöscht oder überschrieben werden
  • Umkopieren der Daten alle 3-5 Jahre empfohlen

 

Cloud
Die Nutzung von Cloud-Services ist eine weitere Möglichkeit, Daten sicher zu archivieren. Diese werden über eine sichere Leitung ins Rechenzentrum des Anbieters übertragen und können auf dem gleichen Weg auch von dort abgerufen werden. Es besteht zusätzlich die Wahl, nur die Hard- und Software von einem Cloud-Anbieter zu mieten oder die Archivierung ganz auf einen Anbieter zu übertragen.

In beiden Fällen müssen Sie sich keine Gedanken über „lebenserhaltende Maßnahmen“ machen, denn der Anbieter ist für die sichere Aufbewahrung und Verfügbarkeit ihrer Daten verantwortlich. Auf regelmäßige Backups sollte trotzdem nicht verzichtet werden.

Achten Sie bei der Auswahl des Cloud-Anbieters darauf, dass dieser Sicherheitszertifikate (Beispiel: ISO 27001) besitzt und wo die Rechenzentren angesiedelt sind. Bevorzugen Sie Rechenzentren, die ihren Sitz in Deutschland oder der EU haben und den deutschen Datenschutzregeln unterliegen. Außerdem sollte sich das Unternehmen bereits auf dem Markt etabliert haben, damit nach kurzer Zeit nicht ein erneuter Datenumzug wegen Geschäftsaufgabe nötig ist.

Vorteile

  • Flexible Erweiterung oder Reduzierung der verwendeten Leistungen (Speicherplatz, Service)
  • Daten überall erreichbar
  • Für die Datensicherheit ist der Cloud-Anbieter verantwortlich
  • Einige Cloud-Anbieter bieten einen Papierkorb bzw. Historie an, wodurch aus Versehen gelöschte Daten wiederhergestellt werden können

Nachteile

  • Vertrauenssache – verschlüsseln Sie Ihre Daten
  • Internetverbindung nötig

 

Fazit
Die Entscheidung für das Speichermedium wird neben dessen Eigenschaften von weiteren Faktoren beeinflusst. Dazu zählen zum Beispiel Aufwand, Kosten und Flexibilität. Überlegen Sie sich daher vorab, welche Anforderungen Sie an das Speichermedium stellen und welche Mittel (Zeitaufwand, Kosten) sie einsetzen können und möchten.

Ich habe mich für eine Kombination aus interner und externer Festplatte sowie Cloud entschieden. Zukünftig werde ich den Flash-Speicher in Betracht ziehen, um meine externe Festplatte zu ersetzen. Mir wichtige Daten, wie eben meine Masterarbeit, speichere ich in der Cloud. Denn ob nun Festplatten, DVDs oder andere Speicher, niemals kann ich diese so sicher wie ein Hochsicherheits-Rechenzentrum aufbewahren. Und wem ist noch nie der Laptop oder die externe Festplatte fast oder ganz und gar aus den Händen gefallen?

Egal wie Sie sich entscheiden, möchte ich Ihnen noch Tipps mitgeben:

  • Regelmäßiges Backup und Umkopieren der Daten auf neue Datenträger (Migration) schützt vor den schlimmsten Verlusten.
  • Fertigen Sie am besten mehrere Kopien an (Redundanz) und lagern Sie diese an unterschiedlichen Orten, zum Beispiel bei Verwandten.
  • Verwenden Sie verschiedene Speichermedien, falls eines aus technischen Gründen (keine passende Software oder Lesegerät) nicht mehr auslesbar ist. Entscheiden Sie sich dabei für Marken-Produkte mit einer langen Garantiezeit.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie u. a. auf:

www.pc-magazin.de/Speichermedien

www.pc-magazin.de/Sicherung

www.chip.de/Speicher-Tipps


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