Kategorie: Cloud Computing
24. Oktober 2011 //

Von der Lizenz- zur Servicewirtschaft (Teil 4)

Teil 4: Anforderungen an die Software

Der vierte Teil der Reihe "Von der Lizenz- zur Servicewirtschaft" geht der Frage nach, welche Anforderungen die Software erfüllen muss, um "Software as a Service"-tauglich zu sein.
Die erste Forderung versteht sich von selbst, nämlich die, dass die Software ein bestehendes oder latentes Kundenbedürfnis erfüllen muss. Darüber habe ich bereits im Teil 3 geschrieben. Deshalb will ich gleich mit den konkreten Eigenschaften der Software einsteigen.

1. Unabhängigkeit vom Betriebssystem
Die Software wird im Internet angeboten und betrieben. Der Zugriff auf die Software erfolgt nicht über ein spezielles Programm, das man herunterladen und installieren muss, sondern über den jeweils verwendeten Webbrowser ohne Installation einer Software auf dem Clientrechner. Mit den klassischen Browsern von Microsoft, Firefox und Safari sollte man keine Probleme haben. Dahinter verbirgt sich die Forderung, unabhängig vom Betriebssystem und Rechnerhersteller zu sein.

2. Zugriff über mobile Endgeräte
Das Internet ist nicht nur über die bekannten PCs und einen Browser erreichbar, sondern auch über Tablet-Rechner. Die bekanntesten Betriebssysteme sind iOS und Android. Auf diesen Geräten erfolgt der Zugriff auf das Internet neben dem Browser über kleine spezielle Programme, den Apps. Tablet-Rechner werden zu einem unverzichtbaren Bestandteil von Software as a Service. Kein anderes Gerät unterstützt die Mobilität mehr als sie, von Smartphones ganz zu schweigen, für die dasselbe gilt. Mobile Endgeräte müssen unterstützt werden.

3.    Mehrmandantenfähigkeit
Von vielen Autoren wird an erster Stelle die Mehrmandantenfähigkeit (multi tenancy) der Software genannt. Damit ist die Fähigkeit der Software gemeint, parallel mit einer physischen Installation mehrere Kunden - sprich Mandanten - bedienen zu können. Das ist die Voraussetzung für die Skalierung des jeweiligen Dienstes und die Gleichbehandlung aller Kunden, die stets mit dem gleichen Softwarestand arbeiten.

4. Individualisierung
Trotz der Mehrmandatenfähigkeit der Software und der Forderung, dass alle Mandanten den gleichen Softwarestand benutzen, erwarten die Kunden Möglichkeiten der Individualisierung und Initialisierung der Software nach ihren Wünschen. Alle notwendigen individuellen Parameter, Stammdaten, Templates, u. a. müssen vom Kunden selbst erfasst und gepflegt werden können. Der Zugriff des Kunden auf Dienstleistungen eines Administrators des Diensteanbieters ist ausgeschlossen. Diese Parametrisierung ist nicht mit dem Customizing von Software zu verwechseln, die im Allgemeinen aus einer Entwicklungsplattform erst eine Anwendung macht. Die SaaS-Software kann sofort produktiv genutzt werden.

5. Usability
Voraussetzung für die sofortige Nutzbarkeit der Software ist, dass sie einfach, intuitiv und ohne großen Schulungsaufwand verwendet werden kann.  Für Business-Anwendungen ist das eine starke Forderung, weil doch Business sehr individuell und komplex ist, manchmal auch deswegen, weil die Kunden meinen keine Abstriche an ihrer vermeintlich notwendigen Individualität zuzulassen. Die Lösung besteht heute sicher nicht nur darin, die Software einfacher zu machen, sondern den gesamten Dienst mit ins Kalkül zu ziehen. Begleitende Lernvideos, Webinare, Foren, usw. helfen, Wissen zu vermitteln, Erfahrungen auszutauschen und Fortschritte zu erzielen. Über diesen Weg lernt der Diensteanbieter enorm viel und kann seine Software den Kundenwünschen anpassen. Ein weiterer Aspekt sind die Erfahrungen, die die Nutzer im Internet mit Softwarediensten machen. Eine Dropbox lässt sich nun einmal spielend leicht verwenden, also erwartet man es zum Beispiel auch von einem komplexen Vertragsmanagement. Der Weg dahin ist klar, aber noch etwas holprig.

6. Ansprechende Softwareoberfläche
Es spricht nichts dagegen, aber vieles dafür, dass die Softwareoberfläche schön ist. Sie zu benutzen, darf Spaß machen.

7. Softwareverbesserungen
Softwareverbesserungen und -weiterentwicklungen sind ein absolutes Muss. Allerdings dürfen sie nicht zu Lasten der Nutzer gehen. Diese merken kaum, dass die Software geändert wurde, es sei denn, an der Oberfläche ergeben sich Änderungen. SaaS-Dienste kennen eigentlich keine Software-Releases, wie es in der Lizenzwirtschaft üblich ist. Die SaaS-Software ist nie fertig und immer im Beta-Status, aber sie muss funktionieren.

8. Performance und Verfügbarkeit
Der SaaS-Dienst wird von sehr vielen Kunden und sehr vielen Nutzern verwendet. Diese erwarten ohne Ausnahme und Kenntnis der technischen Herausforderungen, dass der Dienst stabil, performant und rund um die Uhr läuft.

9. Internationalisierung
SaaS ist Bestandteil des Internets, kennt keine Grenzen und keine Zeitverschiebung. Die Internationalisierung (Kalender, Währung, Kultur, etc.) und die Sprache müssen in Abhängigkeit der jeweils konkreten Nutzer voreingestellt sein.

10. Datensicherheit
Ein Software as a Service-Dienst, der nicht sicher ist, hat keine Chance zu überleben. An anderer Stelle werden wir in diesem Blog auf das Thema Sicherheit tiefer eingehen. Hier nur ein paar Grundsätze.  Der Nutzer des Dienstes bleibt für die Daten verantwortlich, der Dienst verarbeitet sie nur gemäß aktueller Dienste-Beschreibung. Natürlich werden die Daten nur über eine gesicherte Verbindung des autorisierten Dienstanbieters übertragen. Dokumente werden in der Wolke verschlüsselt abgelegt. Der Zugang erfolgt klassischerweise über Log-in und Passwort, für welches es strenge Regeln gibt. Darüber hinaus kann es doppelte Anmeldeverfahren geben.  Es versteht sich von selbst, dass die Mandaten gekapselt sind und sich untereinander nicht kennen.

11. Datenschutz
Datensicherheit und Datenschutz liegen eng beieinander. Es ist unabdingbar eine sogenannte Auftragsdatenverarbeitungsvereinbarung mit den Kunden abzuschließen, um den Forderungen des Bundesdatenschutzgesetzes insbesondere § 11 gerecht zu werden. Um die Gesetze nicht zu verletzen, muss der Nutzer des Dienstes Eigentümer der Daten bleiben und frei über sie verfügen können. Es muss für ihn die Möglichkeit bestehen, alle seine Daten zu jedem beliebigen Zeitpunkt aus der Wolke auf einen lokalen Rechner seiner Wahl herunterladen zu können. Auch sollte die Möglichkeit bestehen, diese Daten in der Wolke vollständig zu löschen.

12. Datenintegration
Die Kunden verfügen bereits über eine Menge an Stamm- oder Bewegungsdaten, die mit Beginn der Nutzung der Software as a Services hochgeladen werden müssen. Entweder gibt es dafür einfach zu nutzende Schnittstellen für die Datenintegration oder der SaaS-Anbieter muss mit Dienstleistungen zur Seite stehen. Analoges gilt übrigens für den Datenaustausch im täglichen Routinebetrieb, um etwa die zentrale Datenhaltung in einem ERP-System, das vielleicht on Premier betrieben wird, zu gewährleisten.

Die obigen Punkte klingen ziemlich einfach, aber glauben Sie mir, die Anforderungen umzusetzen ist nicht trivial!
Software as a Service führt weiter in Richtung Industrialisierung der Software, was wohl ohne Standards nicht funktioniert.

Software as a Service verändert nicht nur die Softwareprodukte, sondern auch die Art und Weise wie Interessenten Angebote suchen und finden und wie sich Anbieter präsentieren, um gefunden zu werden. Darüber möchte ich im nächsten Teil der Reihe von der Lizenz- zur Servicewirtschaft schreiben.

Anbei die Links zu den vorangegangenen Teilen dieser Reihe "Von der Lizenz- zur Servicewirtschaft":

Teil1: Der Weg zum Cloud Computing
Teil 2: Was ist Cloud Computing?
Teil3: Was verbirgt sich hinter dem Geschäftsmodell Software as a Service?


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