Kategorie: Cloud Computing
28. September 2011 //

Von der Lizenz- zur Servicewirtschaft (Teil 3)

Teil 3: Was verbirgt sich hinter dem Geschäftsmodell Software as a Service?

Im dritten Teil der Reihe "Von der Lizenz- zur Servicewirtschaft" beschäftige ich mich mit der Frage, was hinter dem Geschäftsmodell Software as a Service (SaaS) steckt.

Die erste Feststellung, die schon in der Frage steckt, ist, dass SaaS ein Geschäftsmodell darstellt und keine reine Technologie verkörpert. Das Geschäftsmodell betrifft sowohl den SaaS-Anbieter als auch den Nutzer der Software. SaaS beschreibt die Beziehung zwischen dem Unternehmen, welches den Dienst anbietet - dem SaaS-Anbieter - und den Nutzern des jeweiligen Dienstes. Es versteht sich von selbst, dass diese Beziehung nur dann entsteht, wenn die angebotene Software auch tatsächlich einem Kundenbedürfnis entspricht, also einen Markt hat oder findet.

Der SaaS-Anbieter stellt auf sein eigenes Risiko einen Dienst bestehend aus

  • einem Softwareangebot,
  • Dienstleistungen, für Betrieb der Software und für das Enabling seiner Kunden, die Software zu nutzen,
  • der Pflege und Weiterentwicklung der Software,
  • Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der ständigen Verfügbarkeit des Dienstes,

bereit.

Formaler gilt folgende Beschreibung:

Der Kunde erhält die technische Möglichkeit und Berechtigung, auf die Software des SaaS-Anbieters, welche auf einem Server bei einem Dritten bereitgestellt wird, über das Internet zuzugreifen und die Funktionalitäten der Software im Rahmen des jeweiligen Vertrages zu nutzen. Der Zugang zu der bereitgestellten Software erfolgt über registrierte Nutzer (named user) des Kunden.

Es ist damit nicht unbedingt klar, wo die Programme des Dienstes laufen und wo die Daten liegen. Über die Software ist streng genommen nichts weiter bekannt, als ihre Funktionalität. Mehr noch, der Nutzer des Dienstes kann nicht erwarten, dass die Software nicht geändert und nicht weiterentwickelt wird. Im Klartext: Bei SaaS gibt es eigentlich keine Softwareversionen mehr, sondern nur Beta-Stände. Das klingt auf den ersten Blick katastrophal, zumindest jedoch ungewöhnlich. Dahinter steckt aber die Idee, dass über genau eine Softwareinstallation in der Wolke viele Kunden (Mandanten) parallel bedient werden können. Damit werden Skaleneffekte erreicht, die sich letztendlich in einem niedrigen Preis ausdrücken. Das führt eben zur Standardisierung der Software bzw. zur Reduktion der Softwarefunktionalität auf den kleinsten Nenner.

Was müssen SaaS-Anbieter leisten?
Software as a Service wendet sich an viele Kunden. Es ist eher ein Massengeschäft als ein individuelles Angebot an die Kunden. Allerdings wird die Software dem Kunden Möglichkeiten der Parametrisierung und Personalisierung einräumen, um ihm so viel wie möglich und nötig Individualisierungsmöglichkeiten zu bieten. Auf jeden Fall muss der Kunde ohne programmtechnische Eingriffe oder Customizing durch den SaaS-Anbieter produktiv gehen können.

Die Software wird vom SaaS-Anbieter zur Miete angeboten. Das bedeutet, dass die Mietsache soweit gepflegt werden muss, damit sie nutzbar bleibt, eine ständige Weiterentwicklung wird nicht vereinbart. Die Weiterentwicklung ergibt sich nur aus der Notwendigkeit des SaaS-Anbieters, seine Kunden zu pflegen und sie im Mietverhältnis zu halten. Anderenfalls laufen sie zum Wettbewerb. Um dies zu verhindern bedarf es einer umfangreichen vom SaaS-Anbieter zu steuernden Kommunikation, die nicht aufdringlich und nervig sein darf, sondern informativ und in jedem Fall für den Kunden hilfreich sein muss. Diese Kunst muss erlernt werden.

Der SaaS-Anbieter ist für den fehlerfreien Betrieb der Software verantwortlich. Die Betonung liegt auf verantwortlich. Er ist nicht zwingend derjenige, der auch das Rechenzentrum betreibt. Im Allgemeinen wird er sich darauf spezialisierter Partner bedienen.

Zudem kommen zukünftig die Entscheider für die Miete einer Software, mehr und mehr aus der Fachabteilung und weniger aus der IT-Abteilung. Die Rolle des IT-Leiters ändert sich und wird sich als Integrator verschiedener Dienste profilieren. Das Verhältnis zwischen dem SaaS-Anbieter und dem Kunden drückt sich dabei nicht nur durch die Vermietung bzw. Miete einer Software aus, sondern vielmehr wie beide miteinander umgehen.

Auskunftspflicht über Daten und Dokumente gewährleisten
Die Daten und Dokumente, die die Kunden in der Wolke ablegen, entstehen und verarbeiten lassen, gehören natürlich dem Kunden und müssen vom SaaS-Anbieter entsprechend vertraulich behandelt werden. Der Unternehmer ist dem Staat gegenüber zur Auskunft verpflichtet. Er muss ständig den Ablageort bzw. die Daten und Dokumente angeben können.
Letzteres ist ein Widerspruch und ein Hemmnis im Cloud Computing. Die Lösung kann nur lauten, dass der SaaS-Anbieter die Art und Weise der Datenverarbeitung über eine Auftragsdatenverarbeitungs-Vereinbarung beschreibt und dem Kunden die ständige Möglichkeit gibt, seine Daten „per Download“ auf eigene lokale Server zu transportieren.
Wenn die Auftragsdatenverarbeitungs-Vereinbarung darüber hinaus garantiert, dass die Daten das Land nicht verlassen, kann der Unternehmer entspannter sein.

Vorteile für SaaS-Kunden
Der Kunde eines SaaS-Anbieters

  • nutzt die Software über das Internet auf dem Weg der Miete,
  • vertraut dem SaaS-Anbieter seine Daten- und Dokumente an,
  • hat die Freiheit, schnell und unkompliziert neue Nutzer zu bestellen oder die Nutzerzahl zu verringern.

Der SaaS-Kunde orientiert sich an der Funktionalität der Software für seine Bedürfnisse. Die technische Bereitstellung und den Betrieb der Software überlässt er dem SaaS-Anbieter. Somit kann er sich voll und ganz auf sein Business konzentrieren und wird vom Betrieb entlastet.
Für die Nutzung der Software ist keine Investition nötig. Es fallen lediglich Betriebskosten aus der Miete der Software an. Die Mietgebühr richtet sich nach dem tatsächlichen Nutzungsgrad der Software, z. B. Nutzeranzahl pro Monat, Anzahl von Verträgen bei einem Vertragsmanagementsystem oder einfach nur nach dem Faktor Zeit.

Neue Vertriebswege
Software as a Service impliziert andere Vertriebswege. Wenn der Zugang zu der Software über das Internet erfolgt, wird der Vertrieb auch im Internet stattfinden. Das Internet ist die preiswerteste und größte Vertriebsplattform. Der Marketingzyklus vom Erstkontakt, über Test bis hin zur produktiven Nutzung des Dienstes kann theoretisch über das Internet - über die Website des Anbieters - abgebildet werden. Wir wissen aber auch, dass das Business immer noch über Menschen gemacht wird. Bis zum vollautomatischen Softwarekauf und deren Nutzung im Geschäftsleben ist es noch ein weiter Schritt.

Das Geschäftsmodell Software as a Service beschäftigt uns noch tiefgreifender und eingehender in den folgenden Teilen der Reihe "Von der Lizenz- zur Servicewirtschaft". Der nächste Teil wird sich mit den Anforderungen an die Software aus der Sicht des Softwareanbieters beschäftigen.

Anbei die Links zu den vorangegangenen Teilen dieser Reihe „Von der Lizenz- zur Servicewirtschaft:

Teil1: Der Weg zum Cloud Computing
Teil 2: Was ist Cloud Computing?


2 Kommentare für "Von der Lizenz- zur Servicewirtschaft (Teil 3)":

[…] bestehendes oder latentes Kundenbedürfnis erfüllen muss. Darüber habe ich bereits im Teil 3 geschrieben. Deshalb will ich gleich mit den konkreten Eigenschaften der Software […]

[…] Teil 3 dieser Reihe habe ich meine Sicht auf den Begriff SaaS dargelegt. Darauf aufbauend ergeben sich […]

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